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Fantasy Canyon
Kurzinfo
Inmitten riesiger Erdgas- und Erdölfelder im abgelegenen Uintah Basin südlich von Vernal liegt wie ein kleiner, von zarter Künstlerhand geschaffener Skulpturengarten der Fantasy Canyon, eine Miniaturlandschaft aus mehreren schmalen ‚washes', in denen dicht aneinandergereiht Dutzende filigraner Sandsteingebilde darauf warten, entdeckt und in der Fantasie des Betrachters zu neuem Leben erweckt zu werden. Je nachdem, wie die Sonne gerade steht, wie die Schatten fallen und von welcher Seite, links, rechts, oben oder unten man diese bizarr geformten und durchlöcherten Felsskulpturen betrachtet, erkennt man dabei immer wieder etwas Neues, von überdimensionalen Igeln, Drachenköpfen und witzigen Komikfiguren bis hin zu eindrucksvollen Gesichtern und Fratzen aus Stein, die wie verzauberte Hexen oder Kobolde den Eingang zum Fantasy Canyon bewachen. Ihnen verdankt das Gebiet auch seinen zweiten, etwas älteren Namen - ‚Devil's Playground'.
Lage: der Fantasy Canyon befindet sich etwa 35 Meilen südlich von Vernal im Nordosten von Utah.
Wissenswertes
Erdgeschichtlich gesehen stammen die Gesteinsschichten im Fantasy Canyon aus der Zeit des Eozäns, also dem Zeitraum vor etwa 38 bis 50 Millionen Jahren. Damals war die Landschaft des Uinta Basin von einem riesigen See bedeckt, Lake Uinta genannt, der eine Tiefe von über 1,5 Kilometern und eine Länge von 120 Meilen besaß. Im Laufe der Zeit füllte sich dieser See mit losen Sedimenten aus den umliegenden Bergen, die sich durch den anhaltenden Druck langsam in dicke Schichten aus Schlick, Schiefer und Sandstein verwandelten. Millionen Jahre später wurden diese Sedimente in gewaltigen Aufwerfungen nach oben gedrückt, so dass diese Gesteinsschichten nun der Witterung und damit den ständig nagenden Kräften der Erosion ausgesetzt waren. Die weicheren Lehm-, Schlick- und Schieferanteile wurden von Regen, Eis und Wind langsam abgetragen, während der härtere Sandstein diesen Kräften standhalten konnte und in Form skurril geformter Skulpturen zurückblieb.
Eine indianische Legende
Viel poetischer beschreibt eine alte indianische Legende die Entstehungsgeschichte dieser Landschaft. Die Geschichte stammt von Muse Harris, genannt Chief Red Moose und wurde zum ersten Mal in der Salt Lake Tribune am 16. Juli 1972 veröffentlicht. Sie lautet wie folgt:
'Eines Tages beschlossen die üblen Kreaturen der Unterwelt - des ständigen Aufenthalts im Dunklen und Feuchten überdrüssig - sich einen Weg an die Erdoberfläche zu graben und sich aller Dinge über und unter der Erde zu bemächtigen. Sie gruben und die Erde zitterte und bebte. Zwei Kojoten, neugierig wie Kojoten nun mal sind, konnten nicht umhin, die Sache genauer zu untersuchen. Die beiden entdeckten das Komplott der Unterirdischen und riefen sofort alle befreundeten Erdenbewohner zu Hilfe. Eine große Versammlung wurde abgehalten, um zu entscheiden, was zu tun sei. Da man sich schnell einig war, dass mit normalen sterblichen Kräften diesen übernatürlichen Wesen nicht beizukommen war, beschlossen sie, den größten bekannten Medizinmann kommen zu lassen.
Zwei Adler flogen mit der Botschaft davon und bereits am ersten Tag fanden sie den Medizinmann in seiner einsam gelegenen Behausung in den Bergen. Eine Staffel der leichtfüßigsten Wildpferde brachte den Mächtigen mit Windgeschwindigkeit über Berge, Flüsse, Täler und Ebenen. Gerade rechtzeitig, denn als sie Whiteriver erreichten, konnte der Sachem bereits das rote Leuchten am Himmel erkennen, an der die Unterweltler bereits die Erdoberfläche erreicht hatten.
Zuerst rief er den Westwind, der in einem gewaltigen Orkan Erde, Staub, Felsen und Bäumen vor sich hertrieb, um damit das schreckliche Loch zu füllen. Aber all dies bewirkte nichts, es fiel einfach nach unten und verbrannte in den Feuern darunter. Dann wurde der Regengott um Hilfe gebeten und dieser sandte große Wassermassen in Wolken und Sturmwellen, aber alles löste sich in Dunst und Nebel auf, während der Anführer der Teufel in langes und lautes Gelächter ausbrach, begleitet vom ausgelassenen Gejohle seiner Kumpane. Der Sachem rief den Gott des Nordens. 'Hilf uns, hilf uns' sang und trommelte er, 'oh, großer Herr über Eis und Schnee'. Die Hilfe kam schnell wie ein Pfeil, eindringlich, tief, bitter kalt. Der Gott des Nordens fing im Nu alle Unterirdischen, die versuchten, sich über die Erde zu verbreiten. Innerhalb eines Augenblicks verwandelte er sie alle in Eis. Noch heute stehen der Anführer der Unterirdischen, die große Hexenmutter, der Zauberer und alle anderen genauso an der gleichen Stelle wie in dem Moment, als sie von der plötzlichen Kälte getroffen wurden.
Als die Wärme zurückkam, der Westwind wieder blies, und das Eis schmolz, übernahm der Staub dessen Stelle und nun stehen die Monster in dem Loch, das sie gegraben haben - alle in Stein verwandelt - als eine Warnung an alle üblen Gestalten drunten in der Hölle, die gute grüne Erde in Ruhe zu lassen.'
Zufahrt
Am einfachsten findet man die Abzweigung zum Fantasy Canyon von Norden, d.h. von Vernal kommend. Dafür fährt man von Vernal aus zunächst auf dem Hwy 40 ein Stück nach Osten und biegt dann bei Naples auf den insgesamt 35 Meilen langen Hwy 45 nach Süden ab Richtung Bonanza. Das Gebiet des Fantasy Canyon befindet sich übrigens westlich dieser Straße - und nicht - wie auf manchen älteren Karten noch falsch eingezeichnet - auf der Ostseite!
Auf dem Hwy 45 fährt man etwa 20 Meilen nach Süden und biegt dann beim großen Hinweisschild ‚Fantasy Canyon' nach rechts (Südwesten) ab auf die ebenfalls geteerte Glen Bench Road. Diese Straße erschließt ein riesiges Öl- und Ergasfördergebiet, so dass man unterwegs ständig mit entsprechend hektischem Schwerlastverkehr rechnen muss (auch auf den ungeteerten Pisten, die daran anschließend Richtung Fantasy Canyon führen!).
Nach etwas weniger als einer Meile folgt man einem weiteren Hinweisschild nach links. Nach insgesamt 18 Meilen verlässt man diese geteerte Nebenstrecke und biegt beim Schild ‚Fantasy Canyon 5 miles' nach links ab auf eine ungeteerte Lehmpiste. Diese Dirt Road ist zwar etwas holprig mit tiefen Reifenspuren, bei Trockenheit aber ohne Probleme von allen Fahrzeugen mit guter Bodenfreiheit befahrbar. Vorsicht ist geboten während oder nach Regenfällen, denn aus dem trockenen, griffigen Lehmboden wird dann im Nu eine schmierige, glitschige Rutschbahn, auf der man selbst mit eingeschalteter Allradfunktion keinen Halt mehr findet. Nach heftigen Regenfällen verwandeln sich auch einige der quer zur Straße verlaufenden 'washes' in tiefe Bäche, die entweder gar nicht oder nur noch schwierig zu durchqueren sind. Vorsicht also bei Regenwetter!
Vom Beginn der Dirt Road an sind an allen weiteren Kreuzungen und Weggabeln Hinweisschilder angebracht, so dass man sich hier kaum verfahren kann. Anders sieht es dagegen auf dem Rückweg aus, vor allem, wenn man bis Sonnenuntergang bleibt und dann versucht, in dem Gewirr sich wild kreuzender Ölförderpisten wieder den Weg zurück zu finden. Es gibt zwar auch auf dem Rückweg einige wenige Schilder, aber eben nicht an allen Abzweigungen. Hilfreich ist es deshalb, sich vom Beginn der Dirt Road an eine kleine Skizze mit allen Abzweigungen anzufertigen oder ein GPS zu benutzen. Der Zufahrtsweg endet schließlich bei einem kleinen Parkplatz mit Toilettenhäuschen, Holzzaun, Picknicktisch und einer großen Holztafel mit der Aufschrift 'Fantasy Canyon'.
Kommt man nicht von Norden, also von Vernal, sondern von Süden, d.h. von Bonanza, so gibt es entlang dem Highway 45 leider kein Hinweisschild Richtung Fantasy Canyon / Glen Bench Road. Man muss also etwas aufpassen und gelegentlich nach hinten schauen, um die Schilder auf der anderen Straßenseite zu lesen und so die Abzweigung nicht zu verpassen. Diese befindet sich einige Meilen nördlich der quer verlaufenden, farbigen Badlands.
Sehenswürdigkeiten & sights
Vom Parkplatz führen kurze und von großen runden Steinen markierte Trails in die schmalen Canyons bzw. 'washes' und zu den einzelnen Sandsteinskulpturen. Vor den meisten dieser Figuren befinden sich in Bodennähe angebrachte kleine runde Metallschilder mit den offiziellen Namen, wobei es natürlich viel mehr Spaß macht, seiner eigenen Phantasie freien Lauf zu lassen und selbst neue Namen zu erfinden. Da alle Figuren äußerst zerbrechlich sind und auch die umgebende Landschaft mehr oder weniger nur aus bröseligem, getrocknetem Schlamm und Lehm besteht, sollte man bei der Erkundung dieses wunderschönen, einzigartigen Felsgartens darauf achten, auf der Suche nach dem optimalen Foto nichts gedankenlos zu zertrampeln und die losen Hänge dieser 'washes' nicht ins Rutschen zu bringen. Eine der berühmtesten Felsskulpturen innerhalb des Fantasy Canyon, der sogenannte 'teapot', ist im September 2006 leider eingestürzt (ob auf natürliche Weise oder nicht, weiß man natürlich nicht). Auf jeden Fall schadet es nicht, ein bisschen vorsichtig zu sein, um diese wirklich einzigartige Skulpturenlandschaft auch für alle weiteren Besucher so zu erhalten, wie sie ist.
Achten sollte man bei allen Streifzügen auch auf die sogenannten 'Pygmy Rattlesnakes', die hier in dieser Umgebung häufig anzutreffen sind, vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung. Bestes Fotolicht hat man im Fantasy Canyon übrigens am späten Abend kurz vor Sonnenuntergang, da dann mit etwas Glück die tagsüber etwas unscheinbar graubraun gefärbten Felsen in leuchtendem Rot erstrahlen.
Abstecher in die Umgebung
Wer die interessante Gegend noch ein bisschen näher erkunden möchte, kann vom Fantasy Canyon auf dem Hwy 45 weiter nach Süden fahren Richtung Bonanza. Dabei durchquert man ein Gebiet farbenfroh gestreifter Badlands, die in Form und Farbe ein wenig an die Badlands in South Dakota erinnern. Leider gibt es keine Pisten oder Wanderwege, auf denen man diese Landschaft etwas näher erkunden könnte. Die einzigen Dirt Roads, die hin und wieder nach rechts oder links abzweigen, stammen ausnahmslos von den Ölfördergesellschaften und enden meist schon nach kurzer Zeit an deren Einrichtungen.
Bonanza selbst ist keine Siedlung, sondern die weltweit einzige Mine, in der Gilsonit abgebaut wird, eine Art schwarz glänzender, natürlicher Asphalt, der in einer schmalen Ader auch im Fantasy Canyon zu finden ist. Südlich von Bonanza erstreckt sich ein altes Bergbaugebiet mit einigen verlassenen 'ghost towns', die über Dirt Roads erreichbar sind, östlich von Bonanza führt eine geteerte Straße vorbei an alten, verlassenen Bergbauschächten zum Hwy 64 und nach Dinosaur bzw. Rangely. Betreten sollte man diese eingezäunten und mit entsprechenden Warnschildern versehenen Grubengelände und Minenschächte allerdings nicht, denn die meisten sind extrem einsturzgefährdet.
Campingplätze & campgrounds
In direkter Umgebung des Fantasy Canyon gibt es leider keine Campingplätze & campgroundssmöglichkeit. Die nächsten Campingplätze und Motels findet man in Vernal bzw. bei Dinosaur im gleichnamigen Dinosaur National Monument (s.dort). Da sich der Fantasy Canyon allerdings auf BLM-Land befindet, kann man dort, sofern man ein geeignetes Plätzchen findet, durchaus für eine Nacht sein Zelt aufschlagen.
Adresse
Bureau of Land Management
Vernal Field Office
170 South 500 East
Vernal, Utah 84078
Tel. (435) 781-4400
Wer sich vor Beginn der Tour über den aktuellen Straßenzustand erkundigen oder eine kleine Informationsbroschüre über den Fantasy Canyon besorgen möchte, kann während der Woche auch direkt im BLM Office in Vernal vorbeischauen. Öffnungszeit: Mo-Fr 7.45-16.30 Uhr (außer an Feiertagen).
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