Ouzel Lake


Heute ist mein letzter Tag in Colorado. Morgen geht mein Flug von Denver zurück nach Deutschland. Was also tun? Zelten kann ich heute nacht leider nicht mehr, denn falls es regnet, will ich nicht das nasse Zelt zusammenpacken müssen. Aber eine Kabin wäre nicht schlecht. Dann kann ich wenigstens noch einmal draußen in der Natur übernachten und habe morgen früh Zeit, alles in Ruhe zu packen und sauberzumachen.

Auf jeden Fall will ich heute noch einmal hier in den Rocky Mountains wandern. Noch einmal diese schönen Berge genießen und vor allem den Sonnenschein. Also fahre ich von Estes Park nach Süden und dann auf einer schmalen Stichstraße in den etwas abgelegeneren und weniger besuchten Südteil des Rocky Mountain Nationalparks. Hier am Wild Basin Trailhead beginnen viele schöne Wanderwege. Ich kann mir also ganz nach Lust und Laune einen davon aussuchen. Nach einem Blick auf die Karte fällt meine Wahl auf den Ouzel Lake. Seen ziehen mich sowieso immer magisch an und außerdem gefällt mir der Name - Ouzel Lake. See der Wasseramseln.

Wild Basin

Zuerst begegnen mir jedoch ein paar andere Einwohner des Parks - ein Maultierhirsch, der vorsichtig aus dem Dickicht des Waldes hervorschaut, dann ein scheues Murmeltier, das bei meinem Anblick sofort das Weite sucht (warum wohl????) und schließlich dieser neugierige Squirrel. Als ich stehen bleibe, wartet er zuerst sprungbereit, was ich wohl als nächstes tun werde. Als ich aber in die Hocke gehe, mich freundlich mit ihm unterhalte und dann in aller Seelenruhe meine Kamera auspacke, um das Teleobjektiv aufzuschrauben, bleibt er vorsichtig abwartend auf seinem Felsen sitzen. Nach einigen Probefotos scheint er schließlich selbst Gefallen an seiner Rolle als Fotomodell zu finden. Neugierig richtet er sich auf - und husch, habe ich dieses schöne Bild in meiner Kamera. Danke, lieber Squirrel, und einen schönen Tag noch ...


Squirrel am Ouzel Lake

Mittlerweile liegen die ersten 2 Meilen des Weges durch dichten Wald und die Abzweigung zum Thunder Lake schon hinter mir. Rechts und links des schmalen Pfads sind jetzt nur noch verbrannte Baumstämme zu sehen. Wie drohende schwarze Baumskelette ragen sie in den Himmel empor, passend zu den langsam sich auftürmenden Gewitterwolken, die allerdings immer noch recht weit entfernt zu sein scheinen. Trotzdem bin ich nicht ganz schlüssig, was ich tun soll.


Ouzel Lake Trail

Bis zum Ouzel Lake sind es noch etwa 2 Meilen. So weit ich sehen kann, führt der Weg dorthin über den langgezogenen, schmalen Grat vor mir, der bei Gewitter keinerlei Schutz bietet. Andererseits ist es erst 11 Uhr morgens, eigentlich noch viel zu früh für die in den Rocky Mountains so häufigen Nachmittagsgewitter. Vielleicht reicht es doch noch bis zum See und zurück. Während ich langsam weitergehe, schaue ich immer wieder hinüber zu den Bergen.

Ouzel Peak

Als ich schließlich beim Ouzel Lake ankomme, ist der Himmel schon fast ganz mit Wolken bedeckt. Schade, denn bei Sonnenschein ist das ein herrlich gelegener Gebirgssee, an dem man jetzt nach der anstrengenden Wanderung eine schöne Pause machen und sich ein bisschen in die Sonne legen könnte. Aber daraus wird heute wohl nichts. Immer dunkler ziehen sich die Wolken am Himmel zusammen. Gleich wird es regnen. Die Angler, die am anderen Ufer mit ihren Fischernetzen beschäftigt sind, scheint das allerdings nicht weiter zu stören. Na denn ...

Ouzel Lake



fishing at Ouzel Lake

Während ich den beiden eine Weile zuschaue, fallen schließlich die ersten dicken Tropfen vom Himmel. Dazu frischt auch der Wind langsam auf, begleitet von einem ersten Donnergrollen. Jetzt aber nichts wie zurück, denn hier am See gibt es keinerlei Unterstellmöglichkeit und bis zum Trailhead sind es immerhin 5 Meilen! Das einzige, was mir einfällt, ist eine Art Felshöhle weiter drunten im Wald. Aber bis dahin ist es noch weit. Vor allem muss ich jetzt erstmal die zwei Meilen wieder zurück über den schmalen, exponierten Felsgrat. Und das bei einem Gewitter!


Ouzel Lake Trail

Mittlerweile sind die dunklen Wolken fast schon über mir. Auch die Blitze sind jetzt nicht mehr weit entfernt. Immer kürzer wird der Abstand zwischen diesem drohenden Lichterzucken und dem darauffolgenden Donnerkrachen. Während der Regen anfängt, auf mich niederzuprasseln, fange ich an, zu rennen. Ohne anzuhalten, renne ich so schnell ich kann den ganzen Weg zurück, bis ich endlich den Waldrand erreiche, und von dort über Stock und Stein bergab bis zu meiner Felshöhle. Geschafft! Wie gut, dass ich mir bereits während des Hinwegs diese Stelle gemerkt habe. Hier bin ich jetzt einigermaßen in Sicherheit!

Und schon ist das Gewitter direkt über mir. Pausenlos zucken die Blitze vor mir nieder. Pausenlos folgt ein Donnergrollen dem anderen. Über eine Stunde kauere ich unter diesem Felsvorsprung, bis der Regen endlich ein wenig nachlässt und das Gewitter langsam weiterzieht. Während dieser Zeit hat es so stark abgekühlt, dass ich, die Arme fest um die Beine geschlungen, auf dem Boden hocke, damit ich nicht so friere. Hätte ich bloß ein wärmeres T-Shirt, eine Regenjacke und lange Hosen mitgenommen! Aber daran habe ich heute morgen nicht gedacht! Eigentlich habe ich an überhaupt nichts gedacht. Nur daran, ein bisschen zu wandern.


thunderstorm Rocky Mountains

Auf der Fahrt zu meinem Übernachtungsort und zu meiner Mietkabin in den Begen ziehen dann bereits neue Gewitterwolken auf. Dunkle Regenschleier, gefolgt von einer gewaltigen Wolkenwand, die den ganzen Himmel verdunkelt. Die ganze Nacht hindurch folgt ein Unwetter dem anderen. Immer wieder rast die Feuerwehr mit Sirenengeheul durch die Nacht, weil wieder irgendwo der Blitz eingeschlagen hat. Bin ich vielleicht froh, dass ich jetzt hier in dieser Blockhütte bin und nicht irgendwo da draußen im Zelt!



Ausführliche Infos zu diesem Reiseziel im neuen Reiseführer

Faszination USA Südwesten

Reiseführer bestellen




Reiseführer Faszination USA Südwesten           © www.tourideas-usa.com Impressum       Datenschutzerklärung